Besuch bei einem Menschenfreund

Am 2. Oktober war es endlich so weit, wir machten uns auf den Weg zu Bruder Dirk Wasserfuhr nach Beyenburg. Er ist der letzte Kreuzherrenpater im Kloster St. Maria Magdalena und er beherbergt regelmäßig Pilger, die auf dem rheinischen Santiago de Compostela Weg (Jakobsweg) unterwegs sind und ist ein echter Seelsorger.

Der Besuch bei Bruder Dirk war ein Wunsch unserer ehrenamtlichen Sterbebegleiter: innen gewesen, dem wir sehr gerne nachgegangen sind. Bruder Dirk begrüßte uns freundlich und führte uns ins Kaminzimmer, dort konnten wir alle um einen großen Tisch sitzen. Sofort kam ein lebendiges Gespräch auf, über das was unsere Ehrenamtlichen so erleben und tun. Interessiert hörte Bruder Dirk zu und stellte ebenso interessante Fragen. Wir merkten, dass er schon viel mit den Themen Sterben, Tod und Trauer in Berührung gekommen ist.

In der Zeit, wo Bruder Dirk eine Andacht in der Kapelle feierte, haben wir Kaffee und Kuchen zu uns genommen, wobei auch einige aus der Gruppe mit zu der Andacht gegangen sind. Als er wieder zurück war, kam gleich wieder ein angeregtes Gespräch zustande. So fragte er zum Beispiel, ob einige von uns schon übernatürliche Erlebnisse im Zusammenhang mit dem Tod eines Menschen gemacht haben. Und tatsächlich gab es einige unserer Ehrenamtlichen, die schon solche Erfahrungen gemacht haben.

Im Anschluss an das Gespräch hat uns Bruder Dirk dann noch durch die historische Klosteranlage mit der alten Kapelle sowie dem großen Kirchraum von St. Maria Magdalena. Die Geschichte der Gemeinde geht bis auf die Zeit Karl des Großen im 8./9. Jh. zurück. In der Kapelle der hl. Maria Magdalena „zu Steinhaus“ in Beyenburg wurde bereits Gottesdienst gefeiert.

Im Jahre 1298 übertrug Graf Konrad von Berg die oben erwähnte Kapelle in Beyenburg dem Orden vom hl. Kreuz (gegründet 1211 in Clair Lieu bei Lüttich). Die Kreuzbrüder führten hier ihr Klosterleben, verrichteten das Chorgebet und betreuten die Bewohner der umliegenden Höfe.

Bruder Dirk führte uns auch auf den Friedhof von Beyenburg, der auf dem Gelände des früheren Klostergartens liegt. Viele seiner Mitbrüder haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden und auch er wir dort seine Grabstätte haben. Alle waren sehr beeindruckt von diesem historischen Ort und Bruder Dirk, der ein beeindruckender Menschenfreund ist.


Das Leben danach


Im Bauch einer schwangeren Frau unterhalten sich drei Embryonen: der kleine Gläubige, der kleine Zweifler und der kleine Skeptiker. Der kleine Zweifler fragt die anderen: „Glaubt ihr eigentlich an ein Leben nach der Geburt?“


Der kleine Gläubige: „Ja klar, das gibt es. Unser Leben hier ist nur dazu gedacht, dass wir wachsen und uns auf das Leben nach der Geburt vorbereiten, damit wir dann stark genug sind für das, was uns dort erwartet.” 


Der kleine Skeptiker: „Unsinn, das gibt es doch nicht. Wie soll denn das überhaupt aussehen, ein Leben nach der Geburt? 


Der kleine Gläubige: „Das weiß ich auch nicht so genau, aber es wird sicher viel heller und größer und weiter als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen.” 


Der kleine Skeptiker: „So ein Quatsch! Herumlaufen geht doch gar nicht. Und mit dem Mund essen, so eine komische Idee. Es gibt doch nur die Nabelschnur, die uns ernährt. Außerdem geht das gar nicht, dass es ein Leben nach der Geburt gibt, weil die Nabelschnur ja jetzt schon viel zu kurz ist.“ 


Der kleine Gläubige: „Doch, es geht bestimmt. Es wird es eben alles nur ein bisschen anders werden.“ 


Der kleine Skeptiker: „Es ist noch nie einer zurückgekommen nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Und das Leben ist eine einzige Quälerei. Und dunkel.“


Der kleine Gläubige: „Auch wenn ich nicht so genau weiß, wie das Leben nach der Geburt aussieht, jedenfalls werden wir dann unsere Mutter sehen und sie wird für uns sorgen.“


Der kleine Skeptiker: „Mutter?! Du glaubst an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?“


Der kleine Gläubige: „Na hier, überall um uns herum. Wir sind in ihr und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein.“ 


Der kleine Skeptiker: „Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie etwas gemerkt, also gibt es sie auch nicht.“


Der kleine Gläubige: „Manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt.“


Nachspiel

Der kleine Zweifler fragt: „Und wenn es also ein Leben nach der Geburt gibt, wird der kleine Skeptiker dann bestraft, weil er nicht daran geglaubt hat?“


Der kleine Gläubige: „Ich glaube nicht, aber ich weiß es nicht so genau. Vielleicht bekommt er einen Klaps auf den Hintern, damit er die Augen aufmacht und das Leben beginnen kann.” 

Nach Henry Nouwen

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